Aggregationen der Sprachbildlichkeit:

In Weimar wird am 29. und 30. Oktober 2021 eine Tagung stattfinden, die sich der Sprachbildlichkeit kulturhistorischer wie gegenwärtiger Vorstellungen von Aggregatzuständen widmet. Das Kooperationsprojekt von Leuphana Universität Lüneburg und Klassik Stiftung Weimar bringt Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Disziplinen und Schriftsteller/innen wie Bildende Künstler/innen zusammen, um die die elementare Materialität des Festen, Flüssigen, Plasmatischen und Flüchtigen bestimmenden Zusammenhänge und Ordnungen aufzufächern. Diese systematische wie offene Metapherologie soll in einem eigenen intermedial agierenden Modell verwirklicht werden. Die Themenstellung verspricht erhellende Erkenntnisse über ästhetische Wahrnehmungs- und Interaktionsweisen von Mensch und Natur auf sprachlicher, materieller, formaler, transmedialer und semantischer Ebene.

Konzeption/Leitung: Ulrike Steierwald / Wolfgang Kemp

Referent/innen: Ulrike Draesner (Berlin/Leipzig), Aris Fioretos (Stockholm/Berlin), Yvonne Förster (Lüneburg), Christine Gruber (Linz), Heinz Georg Held (Pavia), Wolfgang Kemp (Lüneburg), Reinhard Laube (Weimar), Andrea Polaschegg (Siegen), Monika Rinck (Berlin/Wien), Lilian Robl (München), Ulrike Steierwald (Lüneburg), Marion Steinicke (Koblenz-Landau), Sonja Zeman (München)

Wir freuen uns sehr über eine rege Teilnahme! Die Tagung wird vor Ort unter besten Hygiene-Vorkehrungen stattfinden. Daher bitten wir um möglichst frühzeitige Anmeldung unter nina.pries@leuphana.de

Die Thesaurus-Tagung 2021 wird gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung.

In Präsenz: Gespräch mit Ulrike Draesner und Aris Fioretos über die sprachliche Disponierung literarischer Übersetzung im Dazwischen. Auf dem „Schreiber-Sofa“ im Bücherkubus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar sprechen wir über die übersetzende Denkfigur des Dazwischen, die funktional bestimmte, bilaterale Transfermodelle zumindest irritieren muss. Ein Sofa bietet hier das ideale Meublement für ein konkretes Gesprächsformat, das sich im Sinne einer gemeinsamen „Setzung“ und Verortung auch digitalen „Schalten“ hartnäckig widersetzt …. Daher haben wir die Veranstaltung vom ursprünglich geplanten März-Termin auf Ende Oktober 2021 verlegt.

Sammlungen und ihre (Re-)Präsentation zwischen Weltentwurf und Fetischisierung.

Podiumsgespräch in Kooperation mit dem Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK), Hamburg, Mi, 14. Oktober 2020, 19.00 Uhr > Unter optimalen Sicherheitsvorkehrungen wurde im ausgebuchten Hörsaal des Museums nicht zuletzt der unschätzbare Wert einer gesellschaftlichen Präsenz von Wissenschaft und Künsten deutlich. Ergo: Wir planen weiter!

Es diskutierten: Wolfgang Kemp (Kunsthistoriker) und Ulrike Steierwald (Literaturwissenschaftlerin) mit Reinhard Laube, Historiker und Direktor der HAAB, Klassik Stiftung Weimar / Barbara Plankensteiner, Sozialanthropologin und Direktorin des MARKK Hamburg / Bernd Scherer, Philosoph und Intendant des Hauses der Kulturen der Welt, Berlin.

Zum Thema:

Schätze scheinen repräsentative Zeichen der Macht. Mytho­logisch besaßen sie jedoch jenseits der Repräsentation einen ungeheuren Wert. Die Wertschätzung der in Riten und Kulte eingebundenen (An­)Sammlungen von Dingen war weder zu bemessen noch instrumentell zu begründen oder ökonomisch zu verwerten. Was heute in Sammlungen und Ausstellungen als im übertragenen Sinne kulturelle »Schätze« tradiert wird, umfasst auch Alltagsgerät, Kriegswaffen oder ehemalige per sön­liche Besitzstücke. Koloniale Expansion und ein neuzeitlich­ europäisches Kunstverständnis führten im 19. Jahrhundert in Museen, Archiven und Bibliotheken zu Ein­- wie Zurichtungen solcher »Schätze«. Diese Institutionen zielten auf Mehrwert­generierung – sei es durch Repräsentation staatlicher Macht, wissenschaftliche Auswertungen oder Bildungsziele – und trugen damit maßgeblich auch zu radikalen Veränderungen von Kulturen bei.

treasure / erasure: Die Gleichzeitigkeit von Aneignung, Samm­lung, Tradition und Zerstörung ist heutigen öffentlichen Institutionen, die für eine Sichtbarmachung der »Künste und Kulturen der Welt« Verantwortung tragen, bewusst. An der Erschließung der Provenienzen, der individuellen Geschichten wie der Geschichtlichkeit von Sammlungen wird an vielen Stellen gearbeitet. Aber was sind die konkre­ten Konsequenzen in den neuen Konzeptionen dekolonialen Denkens, für weitere Ergänzungen oder Verminderungen der Sammlungen oder für öffentlichkeitswirksame Veran­staltungsprogramme? Zu fragen ist auch, ob und wie eine andere Begriffs­- und Kulturgeschichte des »Schatzes« und der »Welt« zur Klärung beitragen können.

Erste Veranstaltung in der Reihe SCHÄTZE, Projekt »Thesaurus der Sprachbildlichkeit«

In der Reihe „Konstellationen“ der Klassik Stiftung Weimar:  Vortrag über die Profilbildung von historischen Sammlungen unter dem Aspekt der Paradoxie offener Systeme. Das Kurzinterview im Anschluss des Vortrags (Reinhard Laube, Herzogin Anna Amalia Bibliothek) als Video : > Video

– so war das in­iti­ie­ren­de Kol­lo­qui­um für ein Pro­jekt über­schrie­ben, das 2018 im neuen Zentralgebäude der Leuphana Universität (Libeskind) sei­nen An­fang nahm. Ziel die­ses Künste und Wis­sen­schaf­ten trans­dis­zi­plinär zu­sam­menführen­den Pro­jek­tes ist ein di­gi­ta­ler „The­sau­rus li­te­ra­ri­scher Sprach­fi­gu­ren und Bild­be­grif­fe“, ein po­ly­di­men­sio­na­les Uni­ver­sal­mo­dell der sprach­li­chen Möglich­keitsräume der Kunst.
Teilnehmer/innen der ers­ten of­fe­nen Run­de wa­ren Nora Gom­rin­ger, Fe­li­ci­tas Hop­pe, Noémi Kiss, Li­li­an Robl so­wie Wolf­gang Kemp (Kunst­ge­schich­te), Yvon­ne Förs­ter (Phi­lo­so­phie), Ger­hard Lau­er (Di­gi­tal Hu­ma­nities), Bar­ba­ra Nau­mann (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft), Ruth Neu­bau­er-Pet­zoldt (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft), Eve­li­ne Good­man-Thau (Jüdi­sche Re­li­gi­ons- und Geis­tes­ge­schich­te), Achatz von Müller (Ge­schich­te) und Ul­ri­ke Stei­er­wald (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft). Die fol­gen­de au­dio­vi­su­el­le Do­ku­men­ta­ti­on in 16 Tei­len ist nicht nur eine Einführung in das Pro­jekt, son­dern auch eine viel­stim­mi­ge Mo­du­la­ti­on des Bild­be­griffs HERZ und sei­ner Fi­gu­ra­tio­nen, in de­ren dy­na­mi­schen wie po­ly­va­len­ten Be­stim­mun­gen sich be­reits ex­em­pla­risch ers­te Rea­li­sie­rungsmöglich­kei­ten ei­nes The­sau­rus – d.h. ei­nes „Schatz­hau­ses“ – sämt­li­cher Fi­gu­ra­tio­nen und Bild­be­grif­fe in deut­scher Spra­che ab­zeich­nen.

Vortrag auf der Tagung „Bewegende Körper – Bodies in Motion“

3. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft

Veröffentlichung:

Against Metaphor – Against Interpretation: Widerständige Sprachfiguren der Verkörperung. In:Literatur in der Medienkonkurrenz: Medientranspositionen 1800 -1900 – 2000. Dörr, V. & Goebel, R. J. (Hrsg.). Bielefeld: Aisthesis Verlag 2018

Die De­fi­ni­tio­nen Eu­ro­pas in ih­rer Re­la­ti­on zum Be­griff der Mi­gra­ti­on sind von vor­aus­set­zungs­vol­len his­to­ri­schen wie ak­tu­el­len Iden­titätskon­struk­tio­nen abhängig. Die Be­stim­mun­gen des „Ei­ge­nen“ und „Frem­den“ durch räum­li­che Grenz­zie­hun­gen prägen zu Be­ginn des 21. Jahr­hun­derts we­ni­ger na­tio­na­le Kon­zep­te, sie sind viel­mehr in den di­ver­sen Ar­gu­men­ta­ti­ons­mus­tern des Eu­ro­pa-Dis­kur­ses vi­ru­lent. In den sich auffällig lo­kal bzw. re­gio­nal for­mie­ren­den Pro­test­be­we­gun­gen ge­gen Mi­gra­ti­on wie Glo­ba­li­sie­rung spielt die de­zi­diert ge­gen “außer­eu­ropäische Kul­tu­ren“ ge­rich­te­te Ag­gres­si­on eine zen­tra­le Rol­le. Aber auch in der Grenz­si­che­rung der Eu­ropäischen Uni­on und in der Ver­ur­tei­lung is­la­mis­ti­scher Ter­ror­an­schläge und Ge­walt wur­de und wird auf eine „kul­tu­rel­le“ eu­ropäische Iden­tität im Sin­ne uni­ver­sa­lis­tisch wirk­sa­mer Wert­set­zun­gen der eu­ropäischen Aufklärung – De­mo­kra­tie, To­le­ranz, Selbst­be­stim­mung, Öko­no­mie – re­kur­riert. Die­se sind wei­ter­hin auf ein räum­lich ver­an­ker­tes Selbst­verständ­nis an­ge­wie­sen.

An­ge­sichts der ak­tu­el­len Of­fen­le­gung ei­ner man­geln­den Ein­heit und Iden­tität Eu­ro­pas bre­chen nur schein­bar Kon­nex und Ver­an­ke­rung des Wie­der­er­kenn­ba­ren und Iden­ti­schen in na­tio­na­len, re­gio­na­len wie auch kon­ti­nen­ta­len Kol­lek­ti­vie­rungs­mus­tern zu­sam­men. Der he­ge­mo­nia­le Ges­tus der Selbst-Ermäch­ti­gung und Selbst-Bestäti­gung ge­gen die aus dem „außer­eu­ropäischen“ Raum Flie­hen­den le­gi­ti­miert sich zu­neh­mend über den Kul­tur-Be­griff selbst – eine Ent­wick­lung, zu der sich die nach ihm be­nen­nen­den (Kul­tur-)Wis­sen­schaf­ten ver­hal­ten müssen. Während „Eu­ro­pa“ in sei­ner af­fir­ma­ti­ven, iden­titäts­stif­ten­den Zu­schrei­bung wie­der an Wert ver­liert, wird der Kul­tur-Be­griff im ak­tu­el­len po­li­ti­schen Dis­kurs präsen­ter. Da­bei geht es je­doch wei­ter­hin um räum­li­che Ver­an­ke­run­gen der je­wei­li­gen Iden­ti­fi­ka­ti­on, sei es in Spra­che, Kol­lek­ti­vie­rung, Er­in­ne­rung oder emo­tio­na­ler Bin­dung.

Migration und Europa in kulturwissenschaftlicher Perspektive
Zweite Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG)
6. bis 8. Oktober 2016 an der Universität Vechta

Pa­nel: Über­setz­te Fi­gu­ra­tio­nen. Räum­li­che Entwürfe eu­ropäischer „Kul­tur“ (Lei­tung: Ul­ri­ke Stei­er­wald)

Siehe auch: Transiträume der Flucht auf www.literaturkritik.de

und

Ulrike Steierwald, « Europa – Heimat als Groteske », Germanica [En ligne], 56 | 2015, mis en ligne le 30 septembre 2017, consulté le 24 août 2019. URL : http://journals.openedition.org/germanica/2903

JOHANN GEORG KEYSSLERS NEUESTE REISEN (1740)

„Ehe der Rhein zu sei­nem sehr stei­len Schuß kommt, ra­gen hin und wie­der vie­le Fel­sen aus dem Grun­de her­vor. Beym Fal­le selbst theilt er sich in drey Flüsse, wel­che durch ih­ren grünen Grund und ihr schnee­weißes Stru­deln dem Zu­schau­er eine an­ge­neh­me Au­gen­wei­de, hin­ge­gen durch das Brau­sen sei­nem  Gemühte so­wol Be­wun­de­rung als Ent­set­zen ver­ur­sa­chen.“ – Nein, die­se Pas­sa­ge über den Rhein­fall bei Schaff­hau­sen ist kein Aus­schnitt aus Wil­helm Hein­ses viel­zi­tier­ter Be­schrei­bung in sei­nem Rei­se­ta­ge­buch von 1780, son­dern ent­wirft eine thea­tra­le Sze­ne­rie aus den vier­zig Jah­re zu­vor er­schie­ne­nen  Neu­es­ten Rei­sen von Jo­hann Ge­org Keyßler. Die­se im 18. Jahr­hun­dert meist re­zi­pier­te Rei­se­be­schrei­bung „durch Deutsch­land, Böhmen, Un­garn, die Schweiz, Ita­li­en und Loth­rin­gen“ ent­spricht nicht den durch die Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft kon­stru­ier­ten gat­tungs­poe­to­lo­gi­schen Stan­dards. Li­te­ra­tur­ge­schicht­lich wer­den An­schau­lich­keit und nar­ra­ti­ve Ver­ge­genwärti­gun­gen von Re­kon­struk­tio­nen  rei­send er­fah­re­ner Räume erst in der zwei­ten Hälfte des 18. Jahr­hun­derts ver­or­tet. Die seit der Jahr­hun­dert­mit­te ex­pan­die­ren­de,  um­fang­rei­che Rei­se­li­te­ra­tur-Pro­duk­ti­on im Geis­te der bürger­li­chen Bil­dungs­rei­se verführte dazu, das frühe 18. Jahr­hun­dert und da­mit die Ent­ste­hungs­zeit der Keyßler­schen Rei­sen gat­tungs­poe­tisch als „Vor­ge­schich­te“ des li­te­ra­ri­sier­ten Rei­sens im en­ge­ren Sin­ne und da­mit auch den Text als nicht li­te­ra­risch zu be­trach­ten. Als Leh­rer und Be­glei­ter auf der aris­to­kra­ti­schen Grand Tour voll­zieht Keyßler zwar kei­ne „li­te­ra­ri­sche Rei­se“ im Sin­ne der bürger­li­chen In­di­vi­dua­ti­on des Bil­dungs­ro­mans. Aber wie in kei­nem an­de­ren Be­richt die­ser Zeit kann hier das vom Mo­dus des Rei­sens aus­ge­hen­de Den­ken der Erzählung, des Ent­wurfs, der räum­li­chen Be­we­gung nach­voll­zo­gen wer­den, das erst viel später – an der viel­be­schrie­be­nen Epo­chen­schwel­le um 1800 – zum Kon­strukt sinn­li­cher, in­di­vi­du­el­ler Er­fah­rung wer­den wird.

Ulrike Steierwald:

Bewegte Betrachtung. Zur Literarisierung des Reisens. Vortrag auf dem 25. Germanistentag 2016, 25.-28. September 2016, Bayreuth / Panel: Erfahren, erspüren, empfinden: Techniken der sensuellen Vergegenwärtigung in der Reiseliteratur.

Erschienen in:

Keyßlers Welt. Europa auf Grand Tour, hrsg. von Achatz von Müller, u.a.. Göttingen: Wallstein 2018, S. 229-254.

 

Die Private Sammlung:

Zeitgenössische Literatur zwischen Kontextualisierung und Vereinzelung

Wal­ter Ben­ja­mins Re­fle­xi­on „Ich pa­cke mei­ne Bi­blio­thek aus“ be­schreibt nicht nur die je­der Samm­lung ei­ge­ne Dia­lek­tik der Se­lek­ti­on und Zu­sam­menfügung von Tex­ten, son­dern – in Ana­lo­gie – auch das Wech­sel­spiel von Ver­ein­ze­lung und Kon­textua­li­sie­rung im Ges­tus des Schrei­bens selbst. Im Mo­ment des Aus­pa­ckens, in dem sich die pri­va­te, zu­sam­men­gefügte Ord­nung der Bi­blio­thek im pa­ra­do­xen Zu­stand ei­nes Um­zugs, ei­ner Rei­se oder des Exils –je­den­falls im Mo­dus der Mo­bi­lität und des Vorläufi­gen  be­fin­det – ma­ni­fes­tie­ren sich an der in ei­nem neu­en Kon­text wahr­ge­nom­me­nen Ma­te­ria­lität der Bücher auch neu re­flek­tier­te und erzählte Er­in­ne­run­gen und Ge­schich­ten. Da­bei schafft der pri­va­te Raum, der trotz Mo­bi­lität und Vorläufig­keit durch die Er­in­ne­rung an die An­eig­nungs­ge­schich­ten der Bücher ent­steht, eine an­de­re ge­dank­li­che Ord­nung, in der ein ei­ge­nes Spre­chen und Schrei­ben be­gin­nen kann.

Der Vor­trag ana­ly­sierte Mo­bi­lität und Vir­tua­li­sie­rung als Kon­di­tio­nie­run­gen und Ge­lin­gens­be­din­gun­gen der zeit­genössi­schen Li­te­ra­tur. Sie ste­hen nur schein­bar im Ge­gen­satz zum Raum der Samm­lung in de­ren Ma­te­ria­lität, son­dern ma­chen viel­mehr die in Ben­ja­mins „Ich pa­cke mei­ne Bi­blio­thek aus“ sicht­bar wer­den­de Dia­lek­tik von Kon­textua­li­sie­rung und Kon­text­flucht – Öffent­lich­keit und Ver­ein­ze­lung – deut­lich. Es zeigt sich, dass auch in den Schreib­ver­fah­ren der Ge­gen­wart die Span­nung zwi­schen in­ter­tex­tu­el­len Ver­wei­sun­gen im Sin­ne der Samm­lung und ei­ner ubi­quitären Ästhe­ti­sie­rung der Le­bens­wel­ten of­fen bleibt.

Ort / Zeit: Autorschaft und Bibliothek: Sammlungsstrategien und Schreibverfahren, Internationale Tagung, Klassik Stiftung Weimar, 8. bis 10. November 2016   Mehr >>

 

TANDEM: LITERATURWISSENSCHAFT UND WISSENSSOZIOLOGIE
Interdisziplinäre Tagung, Hannover, Schloss Herrenhausen, 2015

Während sich eine kul­tur­wis­sen­schaft­lich aus­ge­rich­te­te Phi­lo­lo­gie seit länge­rer Zeit den pro­duk­ti­ons- und re­zep­ti­onsästhe­ti­schen Im­pli­ka­tio­nen des Be­wusst­seins und sei­ner sprach­li­chen Pro­jek­tio­nen zu­ge­wandt hat, fo­kus­siert kom­ple­mentär die Wis­sens­so­zio­lo­gie die sprach­lich-sym­bo­li­sche Ver­fasst­heit von Kul­tur und Ge­sell­schaft. Der Vor­trag be­leuch­tet aus die­ser zwei­fa­chen Per­spek­ti­ve zeit­genössi­sche ästhe­ti­sche und all­tags­kul­tu­rel­le Pro­duk­ti­ons- und Les­ar­ten am Bei­spiel der ge­sell­schaft­li­chen Dis­kur­se „Bil­dung“ und „Nach­hal­tig­keit“. Ihre Kern­kon­zep­te wer­den als zu ana­ly­sie­ren­de und zu deu­ten­de Ima­gi­na­tio­nen auf­ge­fasst.

Die bis­he­ri­ge Zurück­hal­tung der Phi­lo­lo­gi­en ge­genüber den ak­tu­ell so wir­kungsmäch­ti­gen So­zia­li­sa­ti­ons­in­stan­zen der Bil­dungs- und Nach­hal­tig­keits­dis­kur­se liegt we­ni­ger dar­an, dass sie All­tags­kul­tu­ren repräsen­tie­ren, son­dern dass sie ex­pli­zit bzw. sehr of­fen­sicht­lich von ge­sell­schaft­lich-nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben geprägt sind, die die Ge­fahr ber­gen, den wis­sen­schaft­li­chen Blick selbst un­ter Ideo­lo­gie­ver­dacht ge­ra­ten zu las­sen. Wir­kungsmäch­tig sind bei­spiels­wei­se für die „Nach­hal­tig­keit“ das Dis­po­si­tiv der Be­wah­rung, für die „Bil­dung“ das der Ent­wick­lung, also zwei auch mit ge­genwärti­gen po­li­ti­schen und öko­no­mi­schen Dis­kur­sen eng ver­schränkte Nor­ma­lis­men. Eine Phi­lo­lo­gie, die zu­min­dest auch auf Re­le­vanz in der zeit­genössi­schen Kul­tur zielt, kann dort an­set­zen und sich bei ih­rer Ana­ly­se auf eine er­neu­er­te, pro­duk­ti­ons- und re­zep­ti­onsästhe­tisch aus­ge­rich­te­te Me­tho­do­lo­gie des Ver­ste­hens stützen. Im Be­wusst­sein für die im­pli­zit im­mer schon wirk­sa­men nor­ma­ti­ven Dis­po­si­ti­ve – auch der ei­ge­nen Wis­sen­schaft – könnte so in der Ent­wick­lung ak­tu­ell re­le­van­ter Fra­ge­stel­lun­gen auch eine Ver­mitt­lungs­funk­ti­on für un­ter­schied­li­che kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Dis­zi­pli­nen ei­ge­nom­men wer­den.   Mehr