– so war das in­iti­ie­ren­de Kol­lo­qui­um für ein Pro­jekt über­schrie­ben, das im letzten Jahr sei­nen An­fang nahm. Ziel die­ses Künste und Wis­sen­schaf­ten trans­dis­zi­plinär zu­sam­menführen­den Pro­jek­tes ist ein di­gi­ta­ler „The­sau­rus li­te­ra­ri­scher Sprach­fi­gu­ren und Bild­be­grif­fe“, ein po­ly­di­men­sio­na­les Uni­ver­sal­mo­dell der sprach­li­chen Möglich­keitsräume der Kunst.
In­itia­tor/​in­nen wie zu­gleich In­iti­ier­te der ers­ten of­fe­nen Run­de wa­ren Nora Gom­rin­ger, Fe­li­ci­tas Hop­pe, Noémi Kiss, Li­li­an Robl so­wie Wolf­gang Kemp (Kunst­ge­schich­te), Yvon­ne Förs­ter (Phi­lo­so­phie), Ger­hard Lau­er (Di­gi­tal Hu­ma­nities), Bar­ba­ra Nau­mann (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft), Ruth Neu­bau­er-Pet­zoldt (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft), Eve­li­ne Good­man-Thau (Jüdi­sche Re­li­gi­ons- und Geis­tes­ge­schich­te), Achatz von Müller (Ge­schich­te) und Ul­ri­ke Stei­er­wald (Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft). Die fol­gen­de au­dio­vi­su­el­le Do­ku­men­ta­ti­on in 16 Tei­len ist nicht nur eine Einführung in das deutsch-Schwei­zer Ver­bund­pro­jekt, son­dern auch eine viel­stim­mi­ge Mo­du­la­ti­on des Bild­be­griffs HERZ und sei­ner Fi­gu­ra­tio­nen, in de­ren dy­na­mi­schen wie po­ly­va­len­ten Be­stim­mun­gen sich be­reits ex­em­pla­risch ers­te Rea­li­sie­rungsmöglich­kei­ten ei­nes The­sau­rus – d.h. ei­nes „Schatz­hau­ses“ – sämt­li­cher Fi­gu­ra­tio­nen und Bild­be­grif­fe in deut­scher Spra­che ab­zeich­nen.

In der Reihe „Konstellationen“ der Klassik Stiftung Weimar:  Vortrag über die Profilbildung von historischen Sammlungen unter dem Aspekt der Paradoxie offener Systeme. Kurzinterview im Anschluss: > Video

Vortrag auf der Tagung „Bewegende Körper – Bodies in Motion“

3. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft

Veröffentlichung:

Against Metaphor – Against Interpretation: Widerständige Sprachfiguren der Verkörperung. In:Literatur in der Medienkonkurrenz: Medientranspositionen 1800 -1900 – 2000. Dörr, V. & Goebel, R. J. (Hrsg.). Bielefeld: Aisthesis Verlag 2018

Die Private Sammlung:

Zeitgenössische Literatur zwischen Kontextualisierung und Vereinzelung

Wal­ter Ben­ja­mins Re­fle­xi­on „Ich pa­cke mei­ne Bi­blio­thek aus“ be­schreibt nicht nur die je­der Samm­lung ei­ge­ne Dia­lek­tik der Se­lek­ti­on und Zu­sam­menfügung von Tex­ten, son­dern – in Ana­lo­gie – auch das Wech­sel­spiel von Ver­ein­ze­lung und Kon­textua­li­sie­rung im Ges­tus des Schrei­bens selbst. Im Mo­ment des Aus­pa­ckens, in dem sich die pri­va­te, zu­sam­men­gefügte Ord­nung der Bi­blio­thek im pa­ra­do­xen Zu­stand ei­nes Um­zugs, ei­ner Rei­se oder des Exils –je­den­falls im Mo­dus der Mo­bi­lität und des Vorläufi­gen  be­fin­det – ma­ni­fes­tie­ren sich an der in ei­nem neu­en Kon­text wahr­ge­nom­me­nen Ma­te­ria­lität der Bücher auch neu re­flek­tier­te und erzählte Er­in­ne­run­gen und Ge­schich­ten. Da­bei schafft der pri­va­te Raum, der trotz Mo­bi­lität und Vorläufig­keit durch die Er­in­ne­rung an die An­eig­nungs­ge­schich­ten der Bücher ent­steht, eine an­de­re ge­dank­li­che Ord­nung, in der ein ei­ge­nes Spre­chen und Schrei­ben be­gin­nen kann.

Der Vor­trag ana­ly­sierte Mo­bi­lität und Vir­tua­li­sie­rung als Kon­di­tio­nie­run­gen und Ge­lin­gens­be­din­gun­gen der zeit­genössi­schen Li­te­ra­tur. Sie ste­hen nur schein­bar im Ge­gen­satz zum Raum der Samm­lung in de­ren Ma­te­ria­lität, son­dern ma­chen viel­mehr die in Ben­ja­mins „Ich pa­cke mei­ne Bi­blio­thek aus“ sicht­bar wer­den­de Dia­lek­tik von Kon­textua­li­sie­rung und Kon­text­flucht – Öffent­lich­keit und Ver­ein­ze­lung – deut­lich. Es zeigt sich, dass auch in den Schreib­ver­fah­ren der Ge­gen­wart die Span­nung zwi­schen in­ter­tex­tu­el­len Ver­wei­sun­gen im Sin­ne der Samm­lung und ei­ner ubi­quitären Ästhe­ti­sie­rung der Le­bens­wel­ten of­fen bleibt.

Ort / Zeit: Autorschaft und Bibliothek: Sammlungsstrategien und Schreibverfahren, Internationale Tagung, Klassik Stiftung Weimar, 8. bis 10. November 2016   Mehr >>

 

Migration und Europa in kulturwissenschaftlicher Perspektive
Zweite Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG)
6. bis 8. Oktober 2016 an der Universität Vechta

Pa­nel: Über­setz­te Fi­gu­ra­tio­nen. Räum­li­che Entwürfe eu­ropäischer „Kul­tur“ (Lei­tung: Ul­ri­ke Stei­er­wald)

Die De­fi­ni­tio­nen Eu­ro­pas in ih­rer Re­la­ti­on zum Be­griff der Mi­gra­ti­on sind von vor­aus­set­zungs­vol­len his­to­ri­schen wie ak­tu­el­len Iden­titätskon­struk­tio­nen abhängig. Die Be­stim­mun­gen des „Ei­ge­nen“ und „Frem­den“ durch räum­li­che Grenz­zie­hun­gen prägen zu Be­ginn des 21. Jahr­hun­derts we­ni­ger na­tio­na­le Kon­zep­te, sie sind viel­mehr in den di­ver­sen Ar­gu­men­ta­ti­ons­mus­tern des Eu­ro­pa-Dis­kur­ses vi­ru­lent. In den sich auffällig lo­kal bzw. re­gio­nal for­mie­ren­den Pro­test­be­we­gun­gen ge­gen Mi­gra­ti­on wie Glo­ba­li­sie­rung spielt die de­zi­diert ge­gen “außer­eu­ropäische Kul­tu­ren“ ge­rich­te­te Ag­gres­si­on eine zen­tra­le Rol­le. Aber auch in der Grenz­si­che­rung der Eu­ropäischen Uni­on und in der Ver­ur­tei­lung is­la­mis­ti­scher Ter­ror­an­schläge und Ge­walt wur­de und wird auf eine „kul­tu­rel­le“ eu­ropäische Iden­tität im Sin­ne uni­ver­sa­lis­tisch wirk­sa­mer Wert­set­zun­gen der eu­ropäischen Aufklärung – De­mo­kra­tie, To­le­ranz, Selbst­be­stim­mung, Öko­no­mie – re­kur­riert. Die­se sind wei­ter­hin auf ein räum­lich ver­an­ker­tes Selbst­verständ­nis an­ge­wie­sen.

An­ge­sichts der ak­tu­el­len Of­fen­le­gung ei­ner man­geln­den Ein­heit und Iden­tität Eu­ro­pas bre­chen nur schein­bar Kon­nex und Ver­an­ke­rung des Wie­der­er­kenn­ba­ren und Iden­ti­schen in na­tio­na­len, re­gio­na­len wie auch kon­ti­nen­ta­len Kol­lek­ti­vie­rungs­mus­tern zu­sam­men. Der he­ge­mo­nia­le Ges­tus der Selbst-Ermäch­ti­gung und Selbst-Bestäti­gung ge­gen die aus dem „außer­eu­ropäischen“ Raum Flie­hen­den le­gi­ti­miert sich zu­neh­mend über den Kul­tur-Be­griff selbst – eine Ent­wick­lung, zu der sich die nach ihm be­nen­nen­den (Kul­tur-)Wis­sen­schaf­ten ver­hal­ten müssen. Während „Eu­ro­pa“ in sei­ner af­fir­ma­ti­ven, iden­titäts­stif­ten­den Zu­schrei­bung wie­der an Wert ver­liert, wird der Kul­tur-Be­griff im ak­tu­el­len po­li­ti­schen Dis­kurs präsen­ter. Da­bei geht es je­doch wei­ter­hin um räum­li­che Ver­an­ke­run­gen der je­wei­li­gen Iden­ti­fi­ka­ti­on, sei es in Spra­che, Kol­lek­ti­vie­rung, Er­in­ne­rung oder emo­tio­na­ler Bin­dung.

Beiträge und Gespräch des Pa­nels le­gen die his­to­risch dis­kur­si­ven Vor­aus­set­zun­gen räum­li­cher Mus­ter „eu­ropäischer Kul­tur“ frei. Es zeigt sich, dass sie in der ge­genwärti­gen Kri­se nicht mehr als Begründung oder auch nur Hand­lungs­mus­ter die­nen können, aber dass der Begründungs­an­spruch  ih­rer Be­griff­lich­keit ein la­ten­tes Ge­walt­po­ten­zi­al in sich birgt. Of­fe­ne Fra­ge ist, ob sich im selbst­re­fle­xi­ven Ges­tus eu­ropäischer Dis­kur­se – jen­seits der Di­cho­to­mie von „Ei­ge­nem“ und „Frem­dem“ –  Fi­gu­ra­tio­nen aus­fin­dig ma­chen las­sen, die „Kul­tur“ im­mer schon als über­setzt und raumüberg­rei­fend er­ken­nen las­sen.

Vorträge:

  • Prof. Dr. Achatz von Müller (Ba­sel / Lüne­burg): Das “gan­ze Haus“: Zur kul­tu­rel­len Me­ta­pho­rik und trans­for­ma­ti­ven Öko­no­mie ei­nes eu­ropäischen So­zi­al­kon­zep­tes
  • Prof. Dr. Rolf Parr (Duis­burg-Es­sen): Grenz­zie­hun­gen zwi­schen Ei­ge­nem und Frem­den: Räum­li­che Kon­struk­tio­nen und Kol­lek­tiv­sym­bo­le
  • Prof. Dr. Ul­ri­ke Stei­er­wald (Lüne­burg): Gro­tes­ke Fi­gu­ra­tio­nen Eu­ro­pas
    Po­di­ums­gespräch: „Eu­ropäische Kul­tur“ – Iden­tität oder über­setz­te Fi­gu­ra­ti­on? (Mit Ga­brie­le Dürbeck (Mo­dera­ti­on), Achatz von Müller, Rolf Parr und Ul­ri­ke Stei­er­wald)

JOHANN GEORG KEYSSLERS NEUESTE REISEN (1740)

25. Germanistentag 2016, 25.-28. September 2016, Bayreuth / Panel: Erfahren, erspüren, empfinden: Techniken der sensuellen Vergegenwärtigung in der Reiseliteratur

„Ehe der Rhein zu sei­nem sehr stei­len Schuß kommt, ra­gen hin und wie­der vie­le Fel­sen aus dem Grun­de her­vor. Beym Fal­le selbst theilt er sich in drey Flüsse, wel­che durch ih­ren grünen Grund und ihr schnee­weißes Stru­deln dem Zu­schau­er eine an­ge­neh­me Au­gen­wei­de, hin­ge­gen durch das Brau­sen sei­nem  Gemühte so­wol Be­wun­de­rung als Ent­set­zen ver­ur­sa­chen.“ – Nein, die­se Pas­sa­ge über den Rhein­fall bei Schaff­hau­sen ist kein Aus­schnitt aus Wil­helm Hein­ses viel­zi­tier­ter Be­schrei­bung in sei­nem Rei­se­ta­ge­buch von 1780, son­dern ent­wirft eine thea­tra­le Sze­ne­rie aus den vier­zig Jah­re zu­vor er­schie­ne­nen  Neu­es­ten Rei­sen von Jo­hann Ge­org Keyßler. Die­se im 18. Jahr­hun­dert meist re­zi­pier­te Rei­se­be­schrei­bung „durch Deutsch­land, Böhmen, Un­garn, die Schweiz, Ita­li­en und Loth­rin­gen“ ent­spricht nicht den durch die Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft kon­stru­ier­ten gat­tungs­poe­to­lo­gi­schen Stan­dards. Li­te­ra­tur­ge­schicht­lich wer­den An­schau­lich­keit und nar­ra­ti­ve Ver­ge­genwärti­gun­gen von Re­kon­struk­tio­nen  rei­send er­fah­re­ner Räume erst in der zwei­ten Hälfte des 18. Jahr­hun­derts ver­or­tet. Die seit der Jahr­hun­dert­mit­te ex­pan­die­ren­de,  um­fang­rei­che Rei­se­li­te­ra­tur-Pro­duk­ti­on im Geis­te der bürger­li­chen Bil­dungs­rei­se verführte dazu, das frühe 18. Jahr­hun­dert und da­mit die Ent­ste­hungs­zeit der Keyßler­schen Rei­sen gat­tungs­poe­tisch als „Vor­ge­schich­te“ des li­te­ra­ri­sier­ten Rei­sens im en­ge­ren Sin­ne und da­mit auch den Text als nicht li­te­ra­risch zu be­trach­ten. Als Leh­rer und Be­glei­ter auf der aris­to­kra­ti­schen Grand Tour voll­zieht Keyßler zwar kei­ne „li­te­ra­ri­sche Rei­se“ im Sin­ne der bürger­li­chen In­di­vi­dua­ti­on des Bil­dungs­ro­mans. Aber wie in kei­nem an­de­ren Be­richt die­ser Zeit kann hier das vom Mo­dus des Rei­sens aus­ge­hen­de Den­ken der Erzählung, des Ent­wurfs, der räum­li­chen Be­we­gung nach­voll­zo­gen wer­den, das erst viel später – an der viel­be­schrie­be­nen Epo­chen­schwel­le um 1800 – zum Kon­strukt sinn­li­cher, in­di­vi­du­el­ler Er­fah­rung wer­den wird.

TANDEM: LITERATURWISSENSCHAFT UND WISSENSSOZIOLOGIE
Interdisziplinäre Tagung, Hannover, Schloss Herrenhausen, 2015

Während sich eine kul­tur­wis­sen­schaft­lich aus­ge­rich­te­te Phi­lo­lo­gie seit länge­rer Zeit den pro­duk­ti­ons- und re­zep­ti­onsästhe­ti­schen Im­pli­ka­tio­nen des Be­wusst­seins und sei­ner sprach­li­chen Pro­jek­tio­nen zu­ge­wandt hat, fo­kus­siert kom­ple­mentär die Wis­sens­so­zio­lo­gie die sprach­lich-sym­bo­li­sche Ver­fasst­heit von Kul­tur und Ge­sell­schaft. Der Vor­trag be­leuch­tet aus die­ser zwei­fa­chen Per­spek­ti­ve zeit­genössi­sche ästhe­ti­sche und all­tags­kul­tu­rel­le Pro­duk­ti­ons- und Les­ar­ten am Bei­spiel der ge­sell­schaft­li­chen Dis­kur­se „Bil­dung“ und „Nach­hal­tig­keit“. Ihre Kern­kon­zep­te wer­den als zu ana­ly­sie­ren­de und zu deu­ten­de Ima­gi­na­tio­nen auf­ge­fasst.

Die bis­he­ri­ge Zurück­hal­tung der Phi­lo­lo­gi­en ge­genüber den ak­tu­ell so wir­kungsmäch­ti­gen So­zia­li­sa­ti­ons­in­stan­zen der Bil­dungs- und Nach­hal­tig­keits­dis­kur­se liegt we­ni­ger dar­an, dass sie All­tags­kul­tu­ren repräsen­tie­ren, son­dern dass sie ex­pli­zit bzw. sehr of­fen­sicht­lich von ge­sell­schaft­lich-nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben geprägt sind, die die Ge­fahr ber­gen, den wis­sen­schaft­li­chen Blick selbst un­ter Ideo­lo­gie­ver­dacht ge­ra­ten zu las­sen. Wir­kungsmäch­tig sind bei­spiels­wei­se für die „Nach­hal­tig­keit“ das Dis­po­si­tiv der Be­wah­rung, für die „Bil­dung“ das der Ent­wick­lung, also zwei auch mit ge­genwärti­gen po­li­ti­schen und öko­no­mi­schen Dis­kur­sen eng ver­schränkte Nor­ma­lis­men. Eine Phi­lo­lo­gie, die zu­min­dest auch auf Re­le­vanz in der zeit­genössi­schen Kul­tur zielt, kann dort an­set­zen und sich bei ih­rer Ana­ly­se auf eine er­neu­er­te, pro­duk­ti­ons- und re­zep­ti­onsästhe­tisch aus­ge­rich­te­te Me­tho­do­lo­gie des Ver­ste­hens stützen. Im Be­wusst­sein für die im­pli­zit im­mer schon wirk­sa­men nor­ma­ti­ven Dis­po­si­ti­ve – auch der ei­ge­nen Wis­sen­schaft – könnte so in der Ent­wick­lung ak­tu­ell re­le­van­ter Fra­ge­stel­lun­gen auch eine Ver­mitt­lungs­funk­ti­on für un­ter­schied­li­che kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Dis­zi­pli­nen ei­ge­nom­men wer­den.   Mehr

Forschungsmodul im neuen Masterstudiengang an der Fakultät Bildung, ab WS 15/16

Spätes­tens seit Mi­chel Fou­caults „Die Ord­nung der Din­ge“ wis­sen wir, dass jede Kul­tur über die Wirk­sam­keit der sie for­mie­ren­den Macht­ge­set­ze ana­ly­siert wer­den kann. Die sehr of­fen­sicht­lich Form, Struk­tur, Ori­en­tie­rung, So­zia­li­sa­ti­on und Kon­trol­lier­bar­keit stif­ten­den Kul­tu­ren der „Bil­dung“ sind ohne die wir­kungsmäch­ti­gen Ima­gi­na­tio­nen der „Un-Ord­nung“ nicht denk­bar. In die­sem Mo­dul ste­hen Repräsen­ta­tio­nen und Pro­jek­tio­nen von Störung, De­sta­bi­li­sie­rung und Dys­funk­tio­na­lität im Mit­tel­punkt.

Das Pro­jekt­band macht be­wusst ein brei­tes wie me­tho­disch präzis de­fi­nier­tes Feld von For­schungs­fra­gen auf, um den ein­zel­nen Stu­die­ren­den wie klei­nen Pro­jekt­teams die Möglich­keit zu ge­ben, selbständig ei­nen the­men- und for­schungs­spe­zi­fi­schen An­satz zu ent­wi­ckeln. Ein Trans­fer der wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Fra­ge­stel­lun­gen auf Be­ob­ach­tungs- und Hand­lungs­fel­der der Schul­pra­xis ist vor­ge­se­hen. Mehr

HERTA MÜLLERS POETOLOGIE DER BILDLICHKEIT IM SPANNUNGSVERHÄLTNIS VON ÄSTHETIK UND POLITISIERUNG

Tagung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 11. – 13. Februar 2015 im Kloster Bronnbach

Wie po­si­tio­nie­ren sich Her­ta Müllers li­te­ra­ri­sche Tex­te, die von ei­ner stu­pen­den Bild­lich­keit und nach ih­rer ei­ge­nen Poe­to­lo­gie „vom Schwei­gen“ ge­lernt sind, im zeit­genössi­schen öffent­li­chen und wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs? War­um steht eine Au­to­rin, die sich ex­pli­zit nicht als öffent­li­che Per­son se­hen möchte und ihre Li­te­ra­tur als „er­fun­de­ne Wahr­neh­mung“ be­zeich­net, im­mer wie­der im Zen­trum des öffent­li­chen Re­dens und Schrei­bens über die kom­ple­xe Re­la­ti­on von Ästhe­tik und Po­li­tik? Mein Vor­trag ana­ly­siert Bei­spie­le, die die aus die­ser Wi­dersprüchlich­keit re­sul­tie­ren­de Schwie­rig­keit ei­ner Po­si­tio­nie­rung auf­zei­gen (No­bel­preis­ver­lei­hung 2009, Po­di­ums­gespräch mit Ai Wei­wei auf der lit.Co­lo­gne 2010, Po­di­ums­gespräch „Wie viel mo­ra­li­schen und po­li­ti­schen Kre­dit hat die Li­te­ra­tur zu ver­ge­ben?“ DLA Mar­bach 2011 u.a.). Her­ta Müllers li­te­ra­ri­sche Tex­te wie auch ihre Poe­to­lo­gie os­zil­lie­ren im Span­nungs­verhält­nis von In­sze­nie­rung und De­kon­struk­ti­on. Ihre Skep­sis ge­genüber den po­li­ti­schen Im­pli­ka­tio­nen des li­te­ra­ri­schen Dis­kur­ses wehrt sich ge­gen die Me­cha­nis­men des Funk­tio­nie­rens, des in den Dienst Neh­mens der Spra­che. Mit die­ser Ästhe­tik erfüllt Her­ta Müllers Li­te­ra­tur nicht nur die seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten vi­ru­len­ten li­te­ra­tur­theo­re­ti­schen Pa­ra­dig­men ei­ner Poe­to­lo­gie der Körper und Bil­der, sie trifft sich hier­in auch mit an­de­ren Au­to­rin­nen und Au­to­ren der Ge­gen­wart. Mein Vor­trag zeigt, dass Müllers Tex­te ei­ner­seits die Am­bi­va­lenz der Spra­che um­krei­sen, an­de­rer­seits – so­bald sie in die me­dia­le Öffent­lich­keit ein­tre­ten – selbst auf ei­nem schma­len Grat aus­ge­setzt sind, der zwi­schen Re­le­vanz und Ver­ein­nah­mung, In­sze­nie­rung und Funk­tio­na­li­sie­rung, In­di­vi­dua­ti­on und De­kon­struk­ti­on verläuft. In­so­fern ent­spre­chen sie ei­ner­seits heu­ti­gen Wer­tungs­kri­te­ri­en der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft und Kul­tur­theo­rie, ver­wei­gern sich aber an­de­rer­seits im­mer wie­der ei­ner Sys­tem­kon­for­mität und da­mit Po­si­tio­nie­rung. Mehr