Leuphana Universität Lüneburg, Sommer 2022

Ästhetik – Rhetorik – Mimesis (Vorlesung)

Eine Einführung in die drei für die Künste konstitutiven Paradigmen wird zum Ausgangspunkt für das wissenschaftlich begründete Lesen sowie das Sprechen und Schreiben über Literatur.

Komplementär zu dieser Vorlesung des Moduls werden Wahlpflichtseminare angeboten, die die Anforderungen an das literaturwissenschaftliche Arbeiten, die Recherche, die Formulierungen erster „Forschungsfragen“ und den Aufbau und die Konzeption wissenschaftlicher Argumentation vermitteln.

Die zur Vl gehörenden Wahlpflichtseminare im Sommer 2022:
Dr. Katrin Dammann-Thedens:
Literatur im Wechselspiel zwischen Bild und Schrift
Svenja Frank: Kurzprosa des 20. Jahrhunderts
Dr. Marlene Meuer: Internationale Avantgarden
Apl. Prof. Dr. Hartmut Vollmer: Franz Kafka – Erzählungen

SCHWITTERS (BA, Seminar)

Wer oder was ist SCHWITTERS? Ein Mann mit einem Bärenkopf in der Hand. Ein Baumeister in Bildern, Sprachen und Tönen. DADA. MERZ. Ein Exilant auf der Flucht vor den Verfolgungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Eine Existenzform an und auf der Grenze, die die Schichtungen und Vielschichtigkeiten historischer wie aktueller politischer Entwicklungen hervortreten lässt. Und nicht zuletzt ein Bewohner und Einsiedler der Natur in Norwegen und im Lake District – in Landschaften, deren Schönheit immer wieder den Gestaltungsspielraum in den Bildenden wie Sprach-Künsten provoziert und öffnet.

Kurt Schwitters, ein Autor mit vielen Namen, Leben und Lieben, ist der Protagonist in Ulrike Draesners gleichnamigen, 2020 erschienen Roman. In der Lektüre werden wir Fragen des Exils, der Flucht, der Sprachenvielfalt und Vielschichtigkeit exterritorialer wie künstlerischer Existenzformen und des „Nature Writing“ erarbeiten. Im Zentrum der Lektüre stehen nicht zuletzt die Ästhetik der literarischen und künstlerischen (Post-)Moderne in den ersten Jahrzehnten des 20. und 21. Jahrhunderts (Romanform, Lyrik, Collage, Verkörperung, Bildlichkeit etc.).

Stimme / Voice (Master, Seminar)

Das Phänomen der Stimme ist von Ereignishaftigkeit und Performanz geprägt. In ihnen verbinden sich unterschiedliche Sprachen, die nicht auf die menschlichen zu reduzieren sind. Als Wortformationen, im Gesang oder in den unendlichen Artikulationsmöglichkeiten des Stimmorgans – im Schreien, Lachen, Seufzen etc. – finden sie ihren spezifischen Ausdruck. Dabei schließt der phonetische „Aus-Druck“ auch die Möglichkeit des Schweigens und Verstummens ein. Die Sprache ist im Körperorgan der „Stimme“, im Gespräch, im Missverstehen, in der Verständigung oder auch in der Lautmalerei nicht auf ein durch Konventionen beschränktes Zeichensystem zu erklären. Vielmehr erweist sich die Tonalität und Modularität der Mündlichkeit als ein unendlich vielgestaltiges, konkretes Spannungsfeld. In ihm brechen schließlich auch politische und ethische Fragestellungen auf, die sich in Aufrufen, Klagen, Protestrufen artikulieren, aber bspw. auch in der Kommunikation mit Avataren oder in der Praxis elektronischer auditiver Sprachnachrichten als aktuell und mediensoziologisch relevant erforschen lassen.
Tags: Ton – Tonlage – Tönen – Tonalität – Tonleiter – Tonart – Stimme – Stimmung – Stimmigkeit – Stimmlage – Stimmungslage – Stimmen – Einstimmen – Einstimmung – Zustimmung – Verstimmung – Bestimmung – Gestimmtheit – Stimmlosigkeit – Stimmhaftigkeit – Stimmenhören –  Stille – Schweigen – Stillschweigen – Beredtes Schweigen – Vielsagendes Schweigen – Totenstille …

Kulturen der Unordnung

Master-Seminar / Projektmodul im Lehramt. „Ohne Ordnung ist Abweichung nicht zu denken. Und ohne Abweichung ist nichts Neues zu denken. Jede Innovation braucht Ordnung und Abweichung gleichermaßen.“ (Michael Lentz)
Nicht erst seit Michel Foucaults Kulturgeschichte der „Ordnung der Dinge“ wissen wir, dass jede Kultur über die Wirksamkeit der sie formierenden Machtgesetze analysiert werden kann. Die sehr offensichtlich Form, Struktur, Orientierung, Sozialisation und Kontrollierbarkeit stiftenden Kulturen der „Bildung“ sind ohne die wirkungsmächtigen Imaginationen der „Un-Ordnung“ nicht denkbar. In diesem Modul stehen Repräsentationen und Projektionen von Störung, Destabilisierung und Dysfunktionalität im Mittelpunkt.
Das Projektband macht bewusst ein breites wie methodisch präzis definiertes Feld von Forschungsfragen auf, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, selbständig einen themen- und forschungsspezifischen Ansatz zu entwickeln.