Leuphana Universität Lüneburg, Sommer 2019

Textualität (Vorlesung)
Bachelormodul

Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Theorie der Literatur und die Praxis der Literaturwissenschaft in ihrer Geschichtlichkeit und Gegenwart. Die Vielfalt möglicher Antworten auf die Frage „Was ist Literatur?“ bzw. „Was ist ein Text?“ im Rahmen der Philologien steht im Zentrum. Diese Fragestellung wird zum Ausgangspunkt für das wissenschaftlich begründete Lesen sowie das Sprechen und Schreiben über literarische Texte.

Komplementär zu dieser Vorlesung des Moduls werden Wahlpflichtseminare  angeboten, die die Anforderungen an das literaturwissenschaftliche Arbeiten, Recherche, die Formulierungen erster „Forschungsfragen“ und den Aufbau und die Konzeption wissenschaftlicher Argumentation vermitteln:

Katrin Dammann-Thedens: Kindheit und Literatur
Dr. Tilmann Lahme: Filmisches Erzählen
Dr. Marlene Meuer: Sprachen und Geschichten des Tanzes

TYLL
Master-Modul Geschichte und Erzählung

Wer oder was ist TYLL? In der historischen wie literarischen Überlieferung ist es die spätmittelalterliche Figur des Narren, der es vermag, das Denken auf der Grenze zwischen Weisheit und Wahnsinn im künstlerischen Seiltanz zur Schaustellung, zu sprachlicher Darstellung, zu bringen. TYLL lautet auch der Titel eines 2017 erschienenen Romans von Daniel Kehlmann. Dabei verkörpert die Gestalt des Ulenspiegel in Kehlmanns Roman die geradezu unheimliche künstlerische, kreative Macht einer radikal auf sich selbst verwiesenen Existenz. Mit dieser „Neuerfindung einer legendären Figur“ (Klappentext des Fischer-Verlages) brechen Fragen auf, die weit über diesen einzelnen Text hinausgehen: 

Wie gestaltet sich das Verhältnis von Geschichte und Erzählung im Roman? Wie greifen die Gewalt des Krieges und die Konfrontationen der Elemente ineinander? Warum verlegt Kehlmann die Erzählung in die frühe Neuzeit? Wie vollzieht sich eine literarische Geschichtsschreibung im Hinblick auf die Konfrontation von „Opfer und Täter“ oder „Einzelnem und Masse“ oder „Natur und Wissenschaft“? Wie steht der Text in der Tradition des historischen Romans? Wie erweist sich die Gegenwärtigkeit von Geschichte und Fiktion? Was ist die Logik des Schicksals und der Groteske des historischen Geschehens in einer durch den Tod beherrschten Zeit? 

Kulturen der Unordnung – Episteme der Bildung
Master-Modul

Nicht erst seit Michel Foucaults „Ordnung der Dinge“ wissen wir, dass jede Kultur über die Wirksamkeit der sie formierenden Machtgesetze analysiert werden kann. Die sehr offensichtlich Form, Struktur, Orientierung, Sozialisation und Kontrollierbarkeit stiftenden Kulturen sind ohne die wirkungsmächtigen Imaginationen der „Un-Ordnung“ nicht denkbar. In diesem Modul stehen Repräsentationen und Projektionen von Störung, Destabilisierung und Dysfunktionalität im Mittelpunkt.
Das dreisemestrige Modul-Band im Masterstudiengang macht bewusst ein breites wie methodisch präzis definiertes Feld von Forschungsfragen auf, um den einzelnen Studierenden wie kleinen Projektteams die Möglichkeit zu geben, selbständig einen themen- und forschungsspezifischen Ansatz zu entwickeln, den sie bestenfalls in einer anschließenden Masterabschlussarbeit weiterführen können.