Als sich die Leuphana, eine der kleinen und jungen Universitäten in Deutschland, vor etwa zwei Jahrzehnten neu definierte, stand der Wille zu besonderer „Qualität“ einer interdisziplinär ausgerichteten Lehre im Mittelpunkt. Der Bologna-Prozess wurde im Unterschied zu anderen Hochschulen modellartig gefasst und führte zu einer umfassenden Neustrukturierung der Lüneburger Universität. Nicht nur die vier Fakultäten Bildung, Kultur, Nachhaltigkeit und Wirtschaft, sondern insbesondere die fakultätsübergreifenden Schools – College, Graduate und Professional School – sollten eine interdisziplinäre wissenschaftliche Ausrichtung in Lehre, Forschung und Transfer sowie ein Zusammendenken dieser drei grundlegenden universitären Aufgabenbereiche in allen Studiengängen garantieren, vor allem im Bachelor.

Das sogenannte Leuphana-Semester ist für die Studienanfänger/innen der Einstieg in die Wissenschaft. Alle Studierenden haben im modularen Lehrangebot des ersten Semesters dasselbe fächerübergreifende Wahlprogramm, das die unterschiedlichen Methoden, Denkweisen und Verstehensprozesse der Wissenschaften grundlegend vermitteln soll.

Das College der Leuphana wird 2020 dreizehn Jahre alt – eigentlich eine gute Zeit, um erwachsen zu werden. Leider gibt man an deutschen Universitäten guten Projekten kaum eine Chance, aus der Pubertät endlich in ein nachhaltigeres Stadium des Erwachsenseins zu treten. Jedenfalls lohnt es, zurückzublicken und die mit dem Studienmodell verbundenen Ideale „guter“ Lehre nochmals hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit zu reflektieren.

Text lesen:  „Was ist gute Lehre“

Die De­fi­ni­tio­nen Eu­ro­pas in ih­rer Re­la­ti­on zum Be­griff der Mi­gra­ti­on sind von vor­aus­set­zungs­vol­len his­to­ri­schen wie ak­tu­el­len Iden­titätskon­struk­tio­nen abhängig. Die Be­stim­mun­gen des „Ei­ge­nen“ und „Frem­den“ durch räum­li­che Grenz­zie­hun­gen prägen zu Be­ginn des 21. Jahr­hun­derts we­ni­ger na­tio­na­le Kon­zep­te, sie sind viel­mehr in den di­ver­sen Ar­gu­men­ta­ti­ons­mus­tern des Eu­ro­pa-Dis­kur­ses vi­ru­lent. In den sich auffällig lo­kal bzw. re­gio­nal for­mie­ren­den Pro­test­be­we­gun­gen ge­gen Mi­gra­ti­on wie Glo­ba­li­sie­rung spielt die de­zi­diert ge­gen “außer­eu­ropäische Kul­tu­ren“ ge­rich­te­te Ag­gres­si­on eine zen­tra­le Rol­le. Aber auch in der Grenz­si­che­rung der Eu­ropäischen Uni­on und in der Ver­ur­tei­lung is­la­mis­ti­scher Ter­ror­an­schläge und Ge­walt wur­de und wird auf eine „kul­tu­rel­le“ eu­ropäische Iden­tität im Sin­ne uni­ver­sa­lis­tisch wirk­sa­mer Wert­set­zun­gen der eu­ropäischen Aufklärung – De­mo­kra­tie, To­le­ranz, Selbst­be­stim­mung, Öko­no­mie – re­kur­riert. Die­se sind wei­ter­hin auf ein räum­lich ver­an­ker­tes Selbst­verständ­nis an­ge­wie­sen.

An­ge­sichts der ak­tu­el­len Of­fen­le­gung ei­ner man­geln­den Ein­heit und Iden­tität Eu­ro­pas bre­chen nur schein­bar Kon­nex und Ver­an­ke­rung des Wie­der­er­kenn­ba­ren und Iden­ti­schen in na­tio­na­len, re­gio­na­len wie auch kon­ti­nen­ta­len Kol­lek­ti­vie­rungs­mus­tern zu­sam­men. Der he­ge­mo­nia­le Ges­tus der Selbst-Ermäch­ti­gung und Selbst-Bestäti­gung ge­gen die aus dem „außer­eu­ropäischen“ Raum Flie­hen­den le­gi­ti­miert sich zu­neh­mend über den Kul­tur-Be­griff selbst – eine Ent­wick­lung, zu der sich die nach ihm be­nen­nen­den (Kul­tur-)Wis­sen­schaf­ten ver­hal­ten müssen. Während „Eu­ro­pa“ in sei­ner af­fir­ma­ti­ven, iden­titäts­stif­ten­den Zu­schrei­bung wie­der an Wert ver­liert, wird der Kul­tur-Be­griff im ak­tu­el­len po­li­ti­schen Dis­kurs präsen­ter. Da­bei geht es je­doch wei­ter­hin um räum­li­che Ver­an­ke­run­gen der je­wei­li­gen Iden­ti­fi­ka­ti­on, sei es in Spra­che, Kol­lek­ti­vie­rung, Er­in­ne­rung oder emo­tio­na­ler Bin­dung.

Migration und Europa in kulturwissenschaftlicher Perspektive
Zweite Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG)
6. bis 8. Oktober 2016 an der Universität Vechta

Pa­nel: Über­setz­te Fi­gu­ra­tio­nen. Räum­li­che Entwürfe eu­ropäischer „Kul­tur“ (Lei­tung: Ul­ri­ke Stei­er­wald)

Siehe auch: Transiträume der Flucht auf www.literaturkritik.de

und

Ulrike Steierwald, « Europa – Heimat als Groteske », Germanica [En ligne], 56 | 2015, mis en ligne le 30 septembre 2017, consulté le 24 août 2019. URL : http://journals.openedition.org/germanica/2903

Mo­zarts/​da Pon­tes „Soave sia il ven­to“ in der Rei­he „10 Mi­nu­ten Ly­rik“

Text lesen: »Soave sia il vento«

In Erweiterung erschienen im Verlag Duncker & Humblot, 2016 >> Mehr

Der niemals begonnene Beginn ist der Albtraum des Autors. Würde er sich schlicht in die mythologische Tradition der ewigen Wiederholung des schon Gesagten, schon Geschriebenen einreihen, wäre sein Selbstverständnis als Urheber und Schöpfer in Frage gestellt. Eine ,,Antritts“-Vorlesung hingegen gibt durch den Ritus des Antretens, des Eintretens in die lnstitution der Universität einen Rahmen vor. Mit den literarischen Entwürfen des Anfangs haben es die Schriftsteller/innen seit der Geburt des freien Autors im 18. Jahrhundert und der Loslösung von den traditionsreichen historischen Regelpoetiken schwerer. Die Antrittsvorlesung skizziert Strategien und Riten, die das erste, leere Blatt dennoch immer wieder füllen.